Vorzeitige Ejakulation – Die unterschätzte Belastung der Partnerin
Die vorzeitige Ejakulation (PE) ist mit einer Prävalenz von 20 bis 30 Prozent die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Während die klinische Forschung lange den männlichen Leidensdruck fokussierte, rücken neuere Studien die erhebliche Belastung der Partnerinnen in den Mittelpunkt.
Zu früh gekommen? Warum das auch ein Frauenthema ist
Eine Untersuchung mit 374 Männern mit PE und 377 Partnerinnen belegt, dass Frauen höhere Belastungswerte aufweisen als die betroffenen Männer selbst. Sie empfinden nicht nur ihren eigenen Leidensdruck stärker, sondern nehmen auch den Leidensdruck ihres Partners intensiver wahr. Eine italienische Querschnittstudie mit 3.105 Frauen bestätigt dies: Partnerinnen von Männern mit PE haben signifikant häufiger sexuelle Funktionsstörungen (42,7 vs. 20,6 Prozent) und Angstzustände (30,9 vs. 15,3 Prozent).
Besonders aufschlussreich ist die Trennungssrate. 22,8 Prozent der Frauen gaben an, dass die PE ihres Partners bereits zu einer Beendigung der Beziehung geführt hat. Die Hauptursache des weiblichen Leidens ist nicht primär die kurze Ejakulationslatenz, sondern die mangelnde Aufmerksamkeit des Mannes für die sexuellen Bedürfnisse seiner Partnerin (47,6 Prozent).
Die PE ist somit als biopsychosoziale Störung zu verstehen, die einer differenzierten Diagnostik und einer multimodalen Therapie unter Einbeziehung der Partnerin bedarf. Behandlungsoptionen umfassen Verhaltenstherapie, topische Anästhetika, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Dapoxetin sowie Beckenbodentraining. Die Europäische Gesellschaft für Sexualmedizin empfiehlt die partnerschaftliche Integration in den Therapieprozess.
Quellen
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24774717/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28632408
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28513003
https://www.iris.unina.it/handle/11588/843016

